Tuesday, 18 September 2018 13:25

„Kopftuch-Fotze“ und „Judensau“: Islamfeindlichkeit und Antisemitismus in Chemnitz

In den vergangenen Wochen ist Chemnitz in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt – auch international. Über mehrere Tage kam es hier zu rechtsextremen Übergriffen auf Gegendemonstrant*innen, Journalist*innen, Muslime und auf eine jüdische Einrichtung.

In den vergangenen Wochen ist Chemnitz in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt – auch international. Über mehrere Tage kam es hier zu rechtsextremen Übergriffen auf Gegendemonstrant*innen, Journalist*innen, Muslime und auf eine jüdische Einrichtung.

chemnitzDem ganzen Vorausgegangen war ein Streit auf einem Stadtfest, im Zuge dessen ein 35-jähriger Chemnitzer in der Nacht auf den 26. August getötet wurde. Zwei Geflüchtete aus dem Irak und aus Syrien sind dringend tatverdächtig. Dieses Ereignis missbrauchten Rechtsextreme, um Stimmung gegen Migrant*innen zu machen, vorrangig gegen muslimische Geflüchtete. Es fielen Begriffe wie „Messermoslems“, „muslimische Metzger“ und „Killer-Moslems“.

Die Erzählung die in der rechten Bubble ist, dass Muslime das deutsche Volk abschlachten würde.  Daher müsse man nun auf die Straßen, um sich zu verteidigen und im besten Fall die Regierung zu stürzen. Die islamfeindliche Bewegung „Wir für Deutschland“ schrieb beispielsweise in einer Telegram-Gruppe „Der Kampf ums Überleben hat begonnen, wenn wir jetzt nicht handeln, stirbt Deutschland und verschwindet unumkehrbar.“ Dahinter steckt die Angst vieler Menschen vor einem „Bevölkerungsaustausches“- einer reinen Verschwörungsideologie. In dieser irrationalen Erzählung verfolge die deutsche Regierung insgeheim den Plan, das deutsche Volk durch Muslime auszutauschen. Neben der ganz klaren muslimfeindlichen Komponente, enthält diese Erzählung auch ein antisemitisches Element, da hinter dem Plan letztendlich der ungarische Milliardär George Soros stecke, der, so der Wahn, als Jude insgeheim die Welt regiere und in diabolischer Absicht das deutsche Volk vernichten wolle. 

„Scheiß Kopftuch-Fotze“

Am 27. August folgten rund 8.000 Rechtsextreme und angeblich nur „Besorgte“ einem spontanen Aufruf der flüchtlings- und islamfeindlichen Initiative „Pro Chemnitz“ und zogen abends rechtsextreme Parolen grölend und den Hitlergruß zeigend durch die sächsische Stadt Chemnitzer Innenstadt. In Richtung der rund 1.500 Gegendemonstrant*innen schrien vereinzelte Demoteilnehmer*innen immer wieder „Jude, Jude“ – sie meinten dies beleidigend. Eine Journalistin von Belltower.News, mit Migrationshintergrund, wurde in Anwesenheit der Polizei von einem Rechtsextremen als „scheiß Kopftuch-Fotze“ angebrüllt.

„Hau ab aus Deutschland du Judensau“ 

Am Rande dieser Demonstration und nach dessen Ende kam es immer wieder zu Angriffen auf Gegendemonstrant*innen, Journalist*innen und auch auf Muslime. Im Einsatzbericht der Polizei heißt es gegen 21.42 Uhr: „Hundert vermummte Personen (rechts) suchen Ausländer.“ Etwa zur selben Zeit griff etwa ein Dutzend Vermummter das jüdische Restaurant „Shalom“ mit Steinen, Flaschen und einem abgesägten Stahlrohr an und riefen „Hau ab aus Deutschland du Judensau“. Bei diesem antisemitischen Angriff wurden Fensterscheiben zerstört und der Besitzer des Lokals leicht verletzt. 

Bundestagsabgeordnete will keine Muslime in der CDU

Statt Solidarität mit den Opfern zu zeigen, befeuerte die CDU-Bundestagsabgeordnete Veronika Bellmann islamfeindliche Debatten, in dem sie sich dafür aussprach, keine Muslime in der Union haben zu wollen. Zu weiteren Demonstration in den folgenden Tagen von „Pro Chemnitz“, AfD und der islam- und flüchtlingsfeindlichen Bewegung „Pegida“ (Patrioten gegen die Islamisierung des Abendlandes) kamen einige tausend Menschen. 

Rund zwei Wochen nach dem Beginn der rechten Aufmärsche in Chemnitz, kam es am 8. September in der sachsen-anhaltinischen Stadt Köthen zu einem ähnliche tragischen Fall. Ein junger Mann starb nach einer Auseinandersetzung mit zwei Geflüchteten im Krankenhaus an Herzversagen. Auch dieser Todesfall wurde von extrem rechten Gruppen instrumentalisiert. Bereits am 9. September mobilisierten sie zu einem angebliche „Trauermarsch“, an dessen Ende  Reden über “einen Rassenkrieg” gehalten wurde. 

 

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