Thursday, 31 January 2019 10:31

DEUTSCHLAND – Wird das Land im Jahr 2021 so aussehen?

Die islamfeindliche Webseite PI-News präsentiert eine fiktive Darstellung davon, wie Deutschland in 2021 aussehen wird, indem auf rassistische Verunglimpfungen und falsche anti-muslimische Verschwörungserzählungen zurückgegriffen wird. Dies ist das deutsche Medien Monitoring Highlight für Januar 2019.

Der Artikel ist Teil der Medien Monitoring Highlights für Januar, einer monatlichen Übersicht der bedeutsamsten Ergebnisse unseres Monitoring der etablierten und neuen Medien in Belgien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Ungarn und dem Vereinigten Königreich.

Datum der Veröffentlichung: 16. Januar 2019

Pressekanal: PI-News („Politically Incorrect“) ist ein rechtspopulistischer News Blog, der sich selbst als „News gegen den Mainstream, proamerikanisch, proisraelisch, gegen dGermany MMH janie Islamisierung Europas, für Grundgesetz und Menschenrechte“ definiert.

Link: https://bit.ly/2SWLARr 

Überschrift: “Muslimische Babyboomer sorgen für gesellschaftlichen Umbau”

Beschreibung des muslimfeindlichen Inhaltes: Der Artikel beginnt mit einer fitkiven Darstellung, wie Deutschland in 2021 aussehen wird. Laut Autor: „Die Türkischkurse für ehemalige Deutsche sind hervorragend besucht […]. Tanja heißt jetzt Birgül, Stefanie Cidgem und Beatrice-Jacqueline heißt Züleyha. Draußen auf den Straßen stapeln sich die Müllberge, so dass Krankheitserreger sich überall gut entwickeln können. […] Die Demokratie ist längst dem Scharia-Kommunismus gewichen. Ein gedeihliches Miteinander gibt es keines mehr, persönliche Freiheit sowieso nicht […], das Niveau ist in jeder Hinsicht gesunken. […] Jedes Kuhdorf hat seine eigene Moschee […].“ Der Artikel verweist auf Statistiken zu Deutschlands Geburtenraten, bezeichnet als "albtraumhaft" anmutend die Prozentzahl der Neugeborenen mit Migrationshintergrund in einigen Städten und vergleicht diese mit den abnehmenden Zahlen der „deutschen“ Geburtenraten und Anzahl der Ehen.  Der Autor malt sich ein gesellschaftliches Desaster aus, welches angeblich durch die Zahl der in Deutschland lebenden „Fremden“ herbeigeführt werde: „eine explodierende Kriminalitätsrate, zerfallende Häuser, verschuldete Menschen, Islamisierung, muslimische Parallelgesellschaften und Zustände, die sich immer mehr denen in den Herkunftsländern angleichen.“

Mythos entlarvt: Der Mythos der „Islamisierung”, demzufolge christliche Europäer durch Muslime ersetzt werden, ist ein Phantasiegespinst, das die Konsequenzen der Zuwanderung nach Europa übertrieben und spekulativ darstellt. Selbst wenn die Geburtenrate der Menschen mit einem muslimischen und/oder Migrationshintergrund in Europa steigen und die Geburtenrate von Deutschen ohne muslimischen und/oder Migrationshintergrund sinken, bedeutet dies noch nicht, dass Muslime, die in Europa leben, eine Gesetzgebung haben wollen, die sich nach religiösen Lehren richtet – wie mehrere Umfragen zeigen. Es gibt eine große Bandbreite an sozioökonomisch Faktoren, die die Lebensweise und Gewohnheiten von Menschen bestimmen und die es unmöglich machen, vorherzusagen, wie die Gesellschaft in Europa in fünf Jahren oder darüber hinaus aussehen wird. Laut Paul Hedges, Dozent für Interreligiöse Studien an der Nanyang Technological University, Singapur, die Erzählung der Islamisierung basiert auf einer Reihe von Annahmen: „dass der Islam Europa fremd ist“ – was historisch falsch ist – und dass „Werte des Islams im Gegensatz zu europäischen Werten stehen“ – was ebenfalls inkorrekt ist, da, wie Hedges sagt, „die Schlüsselideen der altgriechischen Philosophie und Wissenschaft, die den Mainstream christlichen Gedankenguts für Jahrhunderte untermauerten, und dazu die Renaissance ermöglichten, sowie die Entwicklung der modernen Wissenschaft, wurden alle nach Europa vermittelt über islamische Gesellschaften und durch Fortschritte, die von islamischen Denkern gemacht wurden.“ Abgesehen davon ist der abwertende Diskurs, der „Krankheitserreger“, „Müllberge“, „Kriminalität“ und „zerfallende Häuser“ mit Menschen mit einem Migrationshintergrund in Verbindung bringt, rassistische Rhetorik der Abwertung und Verunglimpfung. Durch Stigmatisierung erschafft es eine Fremdheit, um daraus eine nationale Identität zu bauen, die einige aufgrund ihrer Ethnizität und Religion ausschließt. 

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