Sunday, 31 March 2019 09:38

Deutschland – Muslimfeindliche „News” Webseite verwendet „Whataboutism“ in ihrer Berichterstattung über den Terroranschlag von Christchurch

Am Tag nach dem Massaker von Christchurch relativiert die muslimfeindliche Plattform PI-News den Anschlag, indem sie umgehend auf islamische Terroranschläge verweist. Dies ist das deutsche Medien Monitoring Highlight für März 2019.

Der Artikel ist Teil der Medien Monitoring Highlights für März, einer monatlichen Übersicht der bedeutsamsten Ergebnisse unseres Monitorings der etablierten und neuen Medien in Belgien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Ungarn und dem Vereinigten Königreich.

Germany MMH picDatum der Veröffentlichung: 16. März 2019

Pressekanal: PI-News („Politically Incorrect“) ist ein rechtspopulistischer News Blog, der sich selbst als „News gegen den Mainstream, proamerikanisch, proisraelisch, gegen die Islamisierung Europas, für Grundgesetz und Menschenrechte“ definiert.

Link: https://bit.ly/2YtBf2R 

Überschrift: „113 islamische Terrorattacken in den letzten 30 Tagen“

Beschreibung des muslimfeindlichen Inhaltes: Der Artikel beginnt mit einer Anerkennung des Ausmaßes des Terroranschlags von Christchurch und der Trauer, die er bei der muslimischen Gemeinschaft auslöste. Doch der Ton ändert sich schnell und die Aufrichtigkeit dieser Anerkennung wird durch den nachfolgenden Absatz untergraben, in dem es heißt: „Trotzdem würden wir uns wünschen, dass dieselben Medien mit gleicher Aufmerksamkeit auch die permanente Blutspur des Islams verfolgen“. Der Artikel behauptet, die Medien würden nicht über islamische Terroranschläge berichten. In Bezug auf Webseiten, die solche Anschläge auflisten, steht dort: „Die Medien könnten bequem auf diese Recherchen zurückgreifen und sie ab und zu wenigstens thematisieren“. Der Artikel endet mit der rhetorischen Frage: „Warum tut das keiner?“ Die Frage soll die Leserschaft zu einer konkreten Schlussfolgerung führen: Die Medien sind voreingenommen und es muss einen spezifischen Grund geben, warum muslimische Tode auf der anderen Seite der Welt hervorgehoben werden, wohingegen Anschläge, die von Muslimen verübt werden, nicht behandelt werden. Angesichts des bisherigen Werdegangs des Blogs kann man getrost davon ausgehen, dass der Artikel die Verschwörungsideologie der angeblichen „Islamisierung“ der westlichen Welt, und insbesondere Deutschlands, dafür verantwortlich macht.  

Mythos entlarvt: Der Artikel relativiert den Anschlag von Christchurch mittels einer Strategie, die dem sogenannten „Whataboutism“ ähnelt. Whataboutism ist sowohl ein logischer Fehlschluss als auch ein rhetorisches Mittel, welches darauf abzielt, die Gegner zu diskreditieren, indem man sie der Scheinheiligkeit bezichtigt. Anstatt ihre eigene Sache also zu begründen und zu verteidigen, wenn sie des Fehlverhaltens beschuldigt werden, gehen Menschen, die von Whataboutism Gebrauch machen, in die Offensive und prangern schlicht die Fehler ihrer Kontrahenten an. In ähnlicher Weise verurteilt PI-News nicht einfach den Anschlag, sondern kann nicht umhin auf die vermeintliche „Gefahr“, die angeblich von Muslimen im Allgemeinen ausgeht, hinzuweisen. Darüber hinaus ähnelt diese Strategie gewissermaßen dem „Victim Blaming“ (oder „Täter-Opfer-Umkehr“), denn die vom Anschlag betroffene Gruppe wird umgehend in ein schlechtes Licht gestellt – fast so, als hätte PI-News die Absicht, jegliche Empathie, die für Muslime durch das Christchurch Massaker ausgelöst werden könnte, im Keim zu ersticken. 

Leider ist dieser Artikel bei weitem nicht der einzige Umkehrversuch dieser Art. Hier eine Reihe Artikel von anderen Blogs von rechts-außen, die dem Beispiel folgen: Ein Artikel auf „achgut.com“ schreibt, dass die „Wahrheit ist: Die westliche Welt hat sich an den islamistischen Terror fast schon gewöhnt, nimmt ihn alltäglich hin“; ein anderer Artikel auf „philosphia-perennis.com“ behauptet, dass „erst vor wenigen Wochen auf den Philippinen 20 Christen in einer Kirche ermordet worden seien, was, ganz im Gegensatz zu Christchurch, bloß eine Randnotiz in deutschen Medien wert war“; und ein Artikel auf „freiewelt.net“ schreibt, dass es zwar gut ist, dass das Christchurch Massaker Aufmerksamkeit in den Medien bekommt, doch „[v]erschwiegen aber werden die zahlreichen Anschläge auf Christen, die sich zeitgleich ereignen. Und das ist fatal.“

Zum Weiterlesen: 

What Is 'Whataboutism,' And Why Is It Suddenly Everywhere?

Publicizing terrorism: How journalists should cover attacks

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